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Bayerische Bauingenieure kritisieren geltende Baunormen
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Neue Normengeneration führt zu Intransparenz und unnötigen Kostensteigerungen
Anlässlich des Mittenwalder Baunormentages hat die Bayerische Ingenieurekammer-Bau deutliche Kritik an mehreren geltenden Baunormen geübt, die ihres Erachtens intransparent, fehleranfällig, überzogen, teuer, unnötig kompliziert und zeitaufwendig seien.
Die Ingenieurekammer-Bau kam zu diesem Ergebnis, nachdem sie mehrere geltende Normen, die bei der Planung von Gebäuden beachtet werden müssen, mit ihren Vorgängernormen verglichen hatte. Kammerpräsident Dr.-Ing. Heinrich Schroeter fasste das Ergebnis zusammen und erklärte: „Die neue Normengeneration mit ihren Bemessungsregeln ist zwar in vielen Bereichen deutlich detaillierter geworden, die so erzeugte fragwürdige Genauigkeit erscheint allerdings den Aufgabenstellungen der alltäglichen Tragwerksplanung unangemessen.“ Gleichzeitig betonte er, dass mit den Nachteilen und Ungereimtheiten der Schneelastnorm, der Windlastnorm und der Holzbaunorm nicht nur die Bauingenieure zu kämpfen haben sondern auch Nachteile für Bauherren wie zum Beispiel Kommunen einhergehen, da die neue Normengeneration mit mitunter deutlich höheren Kosten verbunden ist. Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau fordert deshalb eine Überarbeitung der entsprechenden Normenwerke.
Seit Mai 2007 befasst sich ein eigener Arbeitskreis der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau mit den für Bauingenieure relevanten Normenwerken. Auf dem Mittenwalder Baunormentag beschrieben alle Referenten die neuen Normen, die Folge der europaweiten Harmonisierungsbestrebungen sind, als viel zu kompliziert. „Oftmals fehlt ein praktisch orientiertes, leicht handhabbares Berechnungskonzept, obwohl dies in vielen Fällen möglich wäre“, fasst Prof. Dr.-Ing. habil. Karl G. Schütz, Vorsitzender des Arbeitskreises, die Kritik zusammen.
Die Bauingenieure sehen insbesondere die Gefahr, dass die neuen Normen von den Anwendern nicht mehr ernst genommen werden, wenn die überwiegend abstrakte und wenig anschauliche Formulierung von Berechnungsmethoden dazu führe, dass die Kontrolle der Ergebnisse schwierig, mitunter sogar unmöglich sei.
Desweiteren geben die neuen Normen – beispielsweise die Holzlastnorm – neue Rechenwerte vor, die zu einer deutlich geringeren Tragfähigkeit von Bauteilen und Verbindungsmitteln führen, obwohl Experten sich einig sind, dass die alten Rechenwerte vollkommen ausreichend seien.
Nicht nur bei Neubauten, auch bei der Beurteilung von Bestandsbauwerken oder der Notwendigkeit von Verstärkungsmaßnahmen bei Umbauten wirken sich diese Neuerungen in teilweise erheblichen Preisanstiegen aus.
Dipl.-Ing.(FH) Wolfgang Schwind belegte diese Entwicklung mit einem anschaulichen Beispiel: So wurde von ihm ein Gutachten für das sanierungsbedürftige Dach der Grund- und Hauptschule Mittenwald erstellt. Nach den neuen Schneelastnormen müsste das Dach für eine Schneelast von 480 Kilogramm pro Quadratmeter konstruiert werden wohingegen bisher 320 Kilogramm pro Quadratmeter als Vorgabe galten. Dieser Wert wurde nun auch durch das aktuelle Gutachten bestätigt. Diese 160 Kilogramm Unterschied bekomme auch der Bauherr zu spüren weil die zugrundegelegten Schneelasten deutlich stabilere Dachkonstruktionen und Mauerwerk erfoderlich machen, die einen Anstieg von Material- und Zeitaufwand verursachten, die wiederum zu Kostensteigerungen von bis zu 20 Prozent führen würden.
Fraglich erscheinen diese neuen Schneelastwerte insbesondere deshalb, weil im konkreten Fall die hypothetischen 480 Kilogramm pro Quadratmeter Dach einer Schneehöhe von etwa 2,4 Metern auf dem Boden entspricht. Der höchste Wert, der jemals in Mittenwald gemessen wurde, betrug jedoch nur 1,52 Meter im Jahr 1954.
Der Arbeitskreis Normung der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau hat zu diesem Thema einen Sonderdruck mit dem Titel „Kritische Anmerkungen zur Anwendung der neuen DIN 1052 sowie der neuen DIN 1055-4 und DIN 1055-5“ veröffentlicht, das über die Bayerische Ingenieurekammer-Bau bestellt werden oder hier als PDF abgerufen werden kann.![]()



