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Bologna-Prozess

Deutscher Hochschulverband (DHV) fordert vorläufiges Aussetzen der Umstellung auf Bachelor und Master

Im Jahre1999 unterzeichneten die für Kultur und Bildung verantwortlichen Politiker aus 29 europäischen Staaten die Deklaration von Bologna. Leitgedanke dieser Erklärung war, dass der Prozess der europäischen Harmonisierung und Kooperation auch auf dem Gebiet Bildung, speziell auch der universitären Ausbildung, verwirklicht werden müsse. Bis zum Jahre 2010 soll ein europäischer Hochschulraum geschaffen sein, welcher mit einem gestuften Studiensystem aus Bachelor und Master europaweit vergleichbare Abschlüsse vorsieht und so die internationale Mobilität fördert und die internationale Anerkennung der Abschlüsse erleichtert.

Die deutschen Universitäten und Fachhochschulen haben mittlerweile mehr als 45 Prozent ihres Studienangebots auf Bachelor-Master-Abschlüsse umgestellt. Die traditionellen Diplom- und Magisterabschlüsse sind Auslaufmodelle.

Der Deutsche Hochschulverband (DHV) fordert nun eine umgehende Reform der Bologna-Reformen. „Der Bologna-Prozess in Deutschland ist nur noch zu retten, wenn massiv gegengesteuert wird. Mit einem bloßen Nachsteuern ist es nicht getan“, erklärt der Präsident des DHV, Professor Dr. Bernhard Kempen.

Mit dieser Auffassung steht der DHV nicht alleine. Auch ein Großteil der Freien Berufe hat die Anpassung an Bachelor-Master-Strukturen von vornherein mit Skepsis betrachtet. Viele Bereiche der Freien Berufe wie Gesundheitsvorsorge und Rechtspflege sind von großer gesamtgesellschaftlicher Bedeutung und erfordern deshalb kontinuierlich höchste Ausbildungsstandards. Ob diese durch einen Bachelorabschluss gewährleistet werden können, erschien den Freien Berufen von Anfang an fraglich zu sein.

Von dem Ziel, die Studenten mobiler zu machen, ist man nach Ansicht des DHV weit entfernt. Da die neuen Studiengänge enorm spezialisiert sind, ist ein Studienortwechsel während des Bachelor-Studiums schon im Inland nahezu unmöglich. Auch vom Ziel der gegenseitigen Anerkennung von Studienleistungen sei man weiter entfernt als vor der Reform, da das ECTS-Kreditpunktesystem von Land zu Land unterschiedlich gehandhabt würde.

Nicht erreicht wurde überdies eine Absenkung der Abbrecherzahlen. Nach dem aktuellen Bildungsbericht von Bund und Ländern gibt jeder vierte Bachelor-Studierende sein Studium vorzeitig auf, womit Studierende sogar häufiger als früher abbrechen. Dies ist nach Ansicht des DHV darauf zurückzuführen, dass die Bachelor-Lehrpläne oft hoffnungslos überladen sind und meist nur als Vollzeitstudiengänge angeboten werden, weshalb für zwei Drittel der Studierenden, die neben ihrem Studium jobben müssen, das Studium nur schwer zu bewältigen ist.

Tatsächlich bescheinigt auch der im August 2008 veröffentlichte 10. Studierendensurvey, die aktuelle Studie zur „Studiensituation und studentischen Orientierung“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, dass die Studierenden dem Bachelor immer skeptischer gegenüberstehen. Die Erhebung basiert auf Antworten von rund 8.350 Studierenden aus dem Wintersemester 2006/2007. Besonders beunruhigend ist, dass immer mehr Studierende dem Studiengang seine wissenschaftliche Qualität aberkennen. Mehr als die Hälfte der Studierenden ist der Meinung, der Bachelor führe bestenfalls zu Akademikern zweiter Klasse. Nur 12 Prozent der Studierenden glauben, dass für Bachelor-Absolventen gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt bestehen. Im Jahr 2001 glaubten dies immerhin noch 25 Prozent.

Der DHV fordert deshalb die Umstellung auf Bachelor und Master zu stoppen und den Master zum Regelabschluss des universitären Studiums zu machen anstatt wie bisher nur 20 bis 30 Prozent der Studierenden zum Master zuzulassen. International anerkannte Markennamen wie der „Diplom-Ingenieur“ sollen nach Auffassung des DHV erhalten bleiben und von der Einführung des Bachelor/Master in Jura, Medizin und Theologie soll vorerst abgesehen werden.

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