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Antrittsbesuch des VFB im Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen
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v.l.n.r. Josef Kammermeier, Staatsministerin Christine Haderthauer, VFB-Präsident Dr. Fritz Kempter, Julia Maßmann
VFB im Gespräch mit Staatsministerin Haderthauer
Am 28. Januar 2009 war der Verband Freier Berufe in Bayern zu Gast im Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen. An dem Gespräch mit Staatsministerin Christine Haderthauer nahmen neben VFB-Präsident Dr. Fritz Kempter auch Josef Kammermeier, Vizepräsident des VFB und VFB-Geschäftsführerin Julia Maßmann teil.
In dem Gespräch legte der VFB die Position der Freien Berufe zu den Themen „Arbeitsgerichtsbarkeit“ und „Frauen in Freien Berufen“ dar.
1. Arbeitsgerichtsbarkeit
Herr Dr. Kempter betonte wie wichtig es im Sinne der Qualität der Rechtssprechung sei, dass in Bayern die Arbeitsgerichtsbarkeit eine gesonderte Gerichtsbarkeit bleibe und nicht der ordentlichen Gerichtsbarkeit zugeordnet werde. Außerdem sei es wichtig, dass die Zuständigkeit für die Arbeitsgerichtsbarkeit beim Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen verbleibe und nicht beim Justizministerium angesiedelt werde. Staatsministerin Haderthauer stimmte Herrn Dr. Kempter in beiden Punkten vollumfänglich zu.
2. Frauen in Freien Berufen
Herr Kammermeier berichtete, dass der Frauenanteil im Berufsbereich der Apotheker in Deutschland sehr hoch sei. So führt Herr Kammermeier beispielhaft an, dass von den 57.000 approbierten Apothekerinnen und Apothekern 65 Prozent weiblich seien. Der Frauenanteil bei den Apothekern in Krankenhausapotheken liege bei 58 Prozent, in Industrie, Verwaltung und Wissenschaft bei 54 Prozent. Von den insgesamt 144.000 Beschäftigten in öffentlichen Apotheken seien 85 Prozent weiblich, d.h. 123.000 Frauen. Unter den 20.300 Apothekenleitern gebe es 9.200 Chefinnen. Das entspreche einer Quote von 45 Prozent. Unter den 12.000 Pharmaziestudierenden in Deutschland betrage der Frauenanteil 74 Prozent. Nach Aussage von Herrn Kammermeier ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Berufsbild der Apotheker sehr gut, was zur Feminisierung des Berufs beiträgt. Die Feminisierung habe allerdings auch negative Auswirkungen für den Beruf des Apothekers. Leider seien reine Frauenberufe gesellschaftlich nicht hoch angesehen, was auch Auswirkungen auf die Vergütung habe. Auch im medizinischen Bereich finde im übrigen eine Feminisierung statt. Auch hier fürchte man die beschriebenen Folgen.
Herr Kammermeier betonte außerdem, wie wichtig die Sicherstellung einer hochwertigen medizinischen Versorgung gerade auch im ländlichen Raum sei. Für Apothekerinnen sei dort Beruf und Familie nur schwer zu vereinbaren, denn in der Regel liege dort der Teilzeitarbeitsplatz „eben nicht um die Ecke“. Die dezentrale Aufstellung der Freien Berufe sei deshalb einerseits die große Stärke der Freien Berufe, aber eben auch deren große Schwäche.
Schließlich stellte Herr Kammermeier die Werte der unabhängigen wohnortnahen Apotheke dar. Oft seien dies nicht messbare Werte, die man aber nicht unterschätzen dürfe. So erfülle die wohnortnahe Apotheke vor allem im ländlichen Raum auch soziale Funktionen – für ältere Menschen sei der Besuch der Apotheke oft ein wichtiger Punkt im Tagesablauf, bei welchem soziale Kontakte gepflegt würden. Im Sinne unseres Sozialstaates sei es wichtig, die unabhängige wohnortnahe Apotheke zu erhalten. Die Errichtung medizinischer Versorgungszentren dürfe dagegen nicht gefördert werden.
Staatsministerin Haderthauer stimmte Herrn Kammermeier in sämtlichen Punkten zu. Ihr sei sehr bewusst, dass die Freien Berufe eine tragende Säule unserer Wirtschaft seien. In der Flexibilität der Freien Berufe liege der Vorteil für Frauen. Die größte Gefahr sehe sie darin, dass mit einer Feminisierung die Vergütung sinke, weil die Familie von dem Einkommen der Frau meist nicht ernährt werden müsse. Es bestünde die Gefahr, dass sich dies auf den gesamten Berufszweig niederschlage. Außerdem sinke bei Berufen, die auf Autorität basieren, wie beispielsweise dem Beruf des Staatsanwalts, der Respekt.
Herr Dr. Kempter fügte hinzu, dass sich Frauen in Teilzeitarbeit allzu oft ausbeuten ließen. So bedeute ein Halbtagsjob oft ein Arbeiten von 9 Uhr morgens bis 16 Uhr nachmittags.
Staatsministerin Haderthauer stimmte Herrn Dr. Kempter zu. Dazu komme, dass ein veraltetes Vorstellungsbild noch zu sehr in den Köpfen verankert sei. So werde häufig immer noch von Vollzeit und Präsenz in der Arbeit ausgegangen, obwohl fast immer eine Teilbarkeit der Arbeit bzw. Arbeit in Homeoffice möglich sei. Die Freien Berufe seien aber Vorreiter darin, von diesen veralteten Vorstellungen abzurücken. Schließlich formulierte die Ministerin den Appell, der Versuchung, Frauen schlechter zu bezahlen, nicht nachzugeben. Dies schlage stets auf den Berufsstand im Ganzen zurück.![]()



