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Moral und Ethik – auch in der Krise

Reinhard Kardinal Marx fordert mehr Verantwortung angesichts der Zuspitzung auf den Finanzmärkten

Nicht nur der Einzelne, auch die Gesellschaft muss Verantwortung für sich selbst übernehmen. Diese Forderung stellte der Münchner Kardinal Dr. Reinhard Marx in den Mittelpunkt seines Vortrages vor dem Verband Freier Berufe in Bayern (VFB) Anfang November in München. Mit seinem Leitgedanken der „verantwortlichen Freiheit" verknüpfte Marx die Katholische Soziallehre mit der Sozialen Marktwirtschaft. Dem Anpassungsdruck, der insbesondere von den Märkten ausgehe, müsse das Prinzip ethischer Verantwortung entgegengestellt werden. Märkte seien immer nur Mittel zum Zweck. Gerade angesichts der krisenhaften Zuspitzung auf den Finanzmärkten müsse der Ruf nach Verantwortung wieder ernst genommen werden. Marx wörtlich: „Die Trennung von Risiko und Haftung hat Erosionen zur Folge, weil damit die Unmoral honoriert wird".

Der Verband Freier Berufe in Bayern gibt Persönlichkeiten des Zeitgeschehens die Gelegenheit, ihre gesellschaftspolitischen Gedanken vor einem breiten Publikum zu entwickeln. So waren die Grand Dame der FDP, Hildegard Hamm-Brücher, der Wirtschaftsexperte Prof. Dr. Hans-Werner Sinn bereits Gastredner beim VFB. Reinhard Kardinal Marx stellte mit seinem Vortrag über „Verantwortliche Freiheit – ethisches Handeln in der modernen Welt" den diesjährigen Höhepunkt dar.

Unter Hinweis auf ein Gemeinsames Wort der evangelischen Kirche und der Deutschen Bischofskonferenz („Demokratie braucht Tugenden", 2006), forderte der Münchner Kardinal eine Rückbesinnung auf die ethische Verantwortung. „Dazu zählen Institutionen, die dem Menschen dienen". Freiheit vollende sich gerade in der Verantwortung für andere. Dies sei ein wesentliches Fundament auch der Freien Berufe und ihrer Institutionen. Marx sieht in der Neubestimmung dieser Werte auch eine Aufgabe für Europa: „Europa hat eine Sendung, westliche Zivilisation und christliches Menschenbild als Erfolgsmodell einer Gesellschaft zu leben. Für uns Christen ist Freiheit tiefster Ausdruck der Gottesebenbildlichkeit."

Moral und Ethik, so Marx, brauchten langfristige Perspektiven. Denn auch durch die Kurzfristigkeit politischer Entscheidungen erodiere die Freiheit. „Was wir brauchen, ist eine Entschleunigung der Prozesse." Der Münchener Kardinal, zugleich auch Vorsitzender der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen der Deutschen Bischofskonferenz, sieht drei wesentliche Perspektiven, um die Freiheitsrechte des Einzelnen zu stärken: Bildung, Arbeit und Generationengerechtigkeit. „Die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Rahmenbedingungen der Gesellschaft sind so zu gestalten, dass gerechte Strukturen der Entfaltung des menschlichen Lebens dienen. Sie sind auch an der Verantwortung für die Schöpfung und für die nachfolgenden Generationen zu orientieren."

Für Rückfragen: Anita Wuttke, media-dent München, Tel. 089/720 69 022, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

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