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Verband Freier Berufe in Bayern e.V.

60 Jahre Verband Freier Berufe in Bayern Drucken E-Mail
VfB_101Festakt zum 60-jährigen Bestehen des Verbandes Freier Berufe in Bayern im Max-Joseph-Saal der Münchner Residenz.

Mit einem Festakt, zu dem dem Bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil in den Max-Joseph-Saal der Münchner Residenz eingeladen hatte, konnte der Verband Freier Berufe in Bayern e.V. am 14. Juli sein 60-jähriges Bestehen feiern.
VFB-Präsident Dr. Fritz Kempter betonte in seiner Rede die wachsende Bedeutung der Freien Berufe: 

"Ohne jede Irritation durch die Börsen- und Wirtschaftskrise hat sich die Zahl der Selbständigen in den Freien Berufen in den letzten 15 Jahren verdoppelt."  Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil sagte, die Freien Berufe hätten seit jeher eine Vorbildfunktion in der Gesellschaft. Entschieden lehnte er die Forderung ab, für die Freien Berufe Gewerbesteuer zu erheben.

Dr. Kempter nannte die Freien Berufe eine "zentrale Stütze des Wachstums". Dies zeige die Zunahme der von selbständigen Freiberuflern geschaffenen Arbeitsplätze: Während andere in der Finanzkrise "ihr Kapital verspielt haben, ist das Vertrauenskapital der Freien Berufe beträchtlich gewachsen", zog Kempter Bilanz.

Die Freien Berufe seien sogar "Trendsetter der gesellschaftspolitischen Entwicklung". Während erst jüngst wieder die Einführung einer sogenannten Frauenquote in der Wirtschaft gefordert wurde, steigt die Zahl der erwerbstätigen Frauen kontinuierlich an und zwar ohne problematische Zwangsmaßnahmen. "Die Attraktivität der Berufsfelder und die Bereitschaft der Parteien des jeweiligen Dienstvertrages zu Flexibilität haben dazu geführt, dass bei den Ärzten und Ärztinnen, Zahnärzten und Zahnärztinnen, Apothekern und Apothekerinnen, Künstlern und Künstlerinnen,  Rechtsanwälten und Rechtsanwältinnen nahezu ein Gleichstand herrscht. Bei anderen Berufsfeldern geht die Entwicklung ebenfalls nach oben", sagte Kempter.

Er forderte von der Politik eine "Entstaatlichung des öffentlichen Lebens" anstatt einer zunehmenden Verstaatlichung. "Grenzen Sie unsere Handlungsspielräume nicht durch noch mehr Bürokratie, noch höhere Abgaben und Steuern ein, stärken Sie unsere Selbstverantwortung, ebenso wie die Selbstverwaltung."

Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil gab ein klares Bekenntnis zur freiberuflichen Selbstverwaltung ab: "Für mich ist die Selbstverwaltung als Organisationsprinzip mit dem Gedanken der Freiberuflichkeit untrennbar verbunden." Er nannte die Freien Berufe eine wesentliche Säule des Mittelstands mit einer Vorbildfunktion in der Gesellschaft: "Ärzte, Apotheker, Architekten, Notare, Rechtsanwälte, Ingenieure und viele andere Freiberufler sind Menschen, denen man wichtige persönliche oder wirtschaftliche Angelegenheiten anvertraut, auf deren Rat und Expertise man hört. Grundlage dieses Vertrauens ist die hohe Berufsethik, die den Freiberufler kennzeichnet. Deshalb hat Deutschlands erster Bundespräsident Theodor Heuss die freien Berufe einst als „Avantgardisten des Gemeinwohls“ bezeichnet." Es sei kein Zufall, dass Diktatoren und totalitäre Regime immer zuerst gerade die Freien Berufe geknebelt oder abgeschafft haben. Deshalb ist der Stellenwert der Freien Berufe in einer Gesellschaft auch immer ein Gradmesser für deren Freiheitlichkeit. Das zeige die Geschichte gerade in Deutschland.

Entschieden lehnte Zeil Steuererhöhungen und  die Einbeziehung des Freien Berufe in die Gewerbesteuer ab: "Steuererhöhungen sind ebenso Gift für die Konjunktur wie zusätzliche Steuerbemessungsgrundlagen. Wir Liberale lehnen entschieden die Forderung des Städte- und Gemeindebundes ab, für die Freien Berufe Gewerbesteuer zu erheben, um die Finanzprobleme der Kommunen zu lösen. Dagegen spricht schon der enorme zusätzliche Bürokratieaufwand. Weit über eine Million zusätzlicher Steuerbescheide müssten erhoben und geprüft werden. Und das, obwohl ein Großteil aufgrund der Freibetrags-Grenze nicht zu Steuerzahlungen führen würde." Selbst bei finanzstarken Freiberuflern entstünden aufgrund der Anrechnung der Gewerbesteuer auf die Einkommensteuerschuld keine echten Steuermehreinnahmen. Was auf der einen Seite hinzukomme, entfalle auf der anderen. Zeil: "Solche bürokratischen Verschiebebahnhöfe sind gerade das, was wir jetzt am wenigsten brauchen können."

Der Verband Freier Berufe in Bayern hat derzeit rund 140.000 Mitglieder. Bei seiner Gründung gehörten ihm 16 Organisationen an.  Heute sind dies 40 Kammern, Vereine und Verbände aus dem Bereich der Gesundheitsberufe, der rechts- und steuerberatenden Berufe, der technisch-naturwissenschaftlichen sowie der künstlerischen Berufe. Mittlerweile gibt es in der Bundesrepublik rund 1.114.000 Selbständige in den Freien Berufen. Im Jahre 1995 waren es 564.000.